Mai 14, 2011




Ihm ward des Eingangs grüne Dunkelheit
kühl wie ein Seidenmantel umgegeben
den er noch nahm und ordnete: als eben
am andern transparenten Ende, weit,

aus grüner Sonne, wie aus grünen Scheiben,
weiß eine einzelne Gestalt
aufleuchtete, um lange fern zu bleiben
und schließlich, von dem Lichterniedertreiben
bei jedem Schritte überwallt,

ein helles Wechseln auf sich herzutragen,
das scheu im Blond nach hinten lief.
Aber auf einmal war der Schatten tief,
und nahe Augen lagen aufgeschlagen

in einem neuen deutlichen Gesicht,
das wie in einem Bildnis verweilte
in dem Moment, da man sich wieder teilte:
erst war es immer, und dann war es nicht


- R. M. Rilke



Weil Rosenparfum glücklich macht..










Mai 09, 2011



Gedanken ins nichts

Gedanken treiben vorwärts in das sein der Einsamkeit,
verfolgen das hoffnungsvolle schimmern am Ende des Horizontes.
Verlieren sich selbst in einem traumatischen Taumel endlosen Suchens.
Vergessen für Augenblicke die Last des realen
und wecken erneut das verlangende brennen nach mehr,
nach leben, nach Unendlichkeit.
Kein weg scheint zu dunkel, zu einsam,
als dass er nicht längst begangen.
Kein schmerz zu tief und zu kalt,
als dass er nicht längst mein Herz erfüllt.
Keine Träne zu beißend und zu trauernd,
als dass mein Antlitz nicht längst von ihr berührt.
Der Tag verfliegt in ruhelosem irren menschlicher Gestalten
und doch vergehe ich.
Existierend in mir selbst mit schattenstarker Maske
sterbend tief im Herzen auf der Suche nach Erlösung.
Wenn Wege jemals zu finden, zu erkennen waren.
Wenn je ein einziger Pfad der Führer ins Licht
ins selige Glück,
so blieb er stets verborgen meinen Blicken.
Versteckt vor meinem Verlangen,
verschlungen ohne Anfang,
ins nebeldunkel nur treibend.
Das Herz mit schwarzer schwere pressend
und alles vernichtend, was je in mir hoffte.
Die Gedanken sind klar
und doch folgen sie einer Spur.
Der Ursprung unerreichbar, lichtlos, fern.
Nur in meiner Sehnsucht weiterlebt..